Mündliche Prüfung als Azubi: So gehst du souverän rein Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und in deinem Kopf läuft schon das Worst-Case-Kino? Dann lies bitte weiter. Denn ich sag dir ganz ehrlich: In der mündlichen Prüfung entscheidet nicht nur, was du weißt. Es entscheidet mindestens genauso stark, wie du rüberkommst. Und genau das bringt dir leider kaum jemand bei. Ich bin als Azubi fast durch meine mündliche Prüfung gefallen. Nicht weil ich dumm war oder den Stoff nicht konnte. Sondern weil mir keiner gesagt hat, wie man sich verkauft. Drei Jahre Ausbildung zur Hotelfachfrau, alles drauf, reingegangen mit dem Gefühl „pack ich easy“ und mit 51 von 100 Punkten wieder rausgekommen. 50 hätte ich zum Bestehen gebraucht. Das war verdammt knapp. Damit dir das nicht passiert, kommen hier meine ehrlichen Tipps. Lieber anschauen statt lesen? Hier gibt’s das Ganze als Video auf meinem YouTube-Kanal: Worum es heute nicht geht: nicht um deinen konkreten Beruf, nicht um den genauen Ablauf und auch nicht um die fachlichen Anforderungen. Die sind bei jedem anders. Es geht um das, was für alle gleich ist, egal welche Ausbildung du machst. Los geht’s. Die letzten Tage vor der Prüfung Mein wichtigster Tipp für die letzten Tage klingt erstmal komisch: Mach jetzt nichts Neues mehr. Ich weiß, der Reflex ist groß, sich kurz vorher noch das letzte unbekannte Thema reinzuprügeln. Aber dein Kopf braucht jetzt Ruhe, nicht noch mehr Input. Neuer Stoff so kurz vor knapp verunsichert dich meistens nur, statt dir wirklich zu helfen. Er rettet nichts, er macht dich nervös. Was viel sinnvoller ist: Geh die Prüfung einmal grob im Kopf durch. Wie wird der Ablauf ungefähr sein, was könnte passieren? Tausch dich mit Leuten aus, die wissen, was dich erwartet. Deine Lehrer, deine Ausbilder oder ehemalige Azubis, die die Prüfung schon hinter sich haben. Die sagen dir oft besser, worauf es ankommt, als jedes Lehrbuch. Überleg dir vorab einen Satz, mit dem du sicher startest. So einen Anker, mit dem du auf jeden Fall souverän beginnst, egal wie nervös du bist. So verkaufst du dich richtig Jetzt zum Kern, dem Punkt, den die meisten unterschätzen: Wie verkaufst du dich wirklich gut? Struktur schlägt Wissen Das Allerwichtigste ist deine Struktur. Es geht nicht darum, alles rauszuhauen, was du weißt. Es geht darum, dass dein Gegenüber dir folgen kann. Beantworte eine Frage mit klarem Anfang, Mittelteil und Ende. Wirkt unsicher Zehn Fakten wild durcheinander rausgeballert, ohne roten Faden. Wirkt souverän Eine Sache sauber und nachvollziehbar erklärt, von Anfang bis Ende. Denk laut, statt still zu werden Wenn du nachdenken musst, dann sag das ruhig. Zum Beispiel: „Moment, da sortier ich kurz meine Gedanken.“ Das wirkt viel souveräner als langes, unangenehmes Schweigen. Und es nimmt dir selbst den Druck. Nicht die Denkpause verunsichert, sondern das stille Einfrieren. Erklär’s, als wäre dein kleiner Bruder im Raum Du musst nicht mit Fachbegriffen um dich werfen, im Gegenteil. Wer ständig Fachwörter raushaut, hat es oft selbst nicht richtig verstanden. Wenn du etwas in eigenen Worten klar erklären kannst, zeigst du, dass du es wirklich kapiert hast. Und genau das wollen die Prüfer sehen. Halte Blickkontakt Schau deine Prüfer an, sitz aufrecht, sprich nicht in den Tisch. Körperhaltung und Blickkontakt machen unglaublich viel aus, wie kompetent und selbstbewusst du wirkst, auch wenn du innerlich Pudding in den Knien hast. Blackout? So holst du dich zurück Jetzt zu der Angst, die fast jeder hat: dem Blackout. Und ehrlich, das passiert häufiger, als du denkst. Du bist damit nicht allein und es ist kein Weltuntergang. Entscheidend ist nur, was du in dem Moment machst. Dein 4-Schritte-Notfallplan 1. Stopp kurz und atme einmal tief durch. 2. Lies dir die Frage nochmal ganz langsam durch. 3. Fang mit dem an, was du sicher weißt. 4. Sprich weiter, der Rest kommt oft von allein. Oft ist der Blackout gar kein echtes Nichtwissen, sondern nur Panik. Und die legt sich, wenn du dir kurz Zeit nimmst und dein Nervensystem runterfährst. Merk dir diesen einen Satz: Die Prüfer sind nicht gegen dich. Oft helfen sie dir sogar mit kleinen Hinweisen wieder rein. Eine kurze Denkpause kostet dich nicht die Prüfung. Wie du danach weitermachst, das zählt. Die Prüfer sind auch nur Menschen Und damit sind wir beim vielleicht wichtigsten Mindset-Punkt überhaupt. Viele bauen sich die Prüfungskommission im Kopf auf wie ein Tribunal, das nur darauf wartet, dass du einen Fehler machst. So ist es aber überhaupt nicht. Die Prüfer wollen, dass du bestehst. Wirklich. Niemand sitzt da und freut sich, wenn du durchfällst. Sie wissen ganz genau, dass du nervös bist. Das erwarten sie sogar. Niemand sitzt entspannt und cool in einer Prüfung. Ein bisschen Aufregung ist völlig normal und wird dir nicht negativ ausgelegt. Dieses Bild im Kopf macht so viel aus. Wenn du nicht in einen Kampf gehst, sondern in ein Gespräch zwischen Menschen, dann nimmst du dir selbst unglaublich viel Druck. Und noch was: Nervös zu sein ist kein Zeichen von Schwäche. Es zeigt nur, dass dir die Sache wichtig ist. Das ist etwas Gutes. Die letzten Minuten direkt vor der Tür Zum Schluss noch die Phase, in der die meisten sich selbst sabotieren: die letzten Minuten direkt vor der Prüfung. Deine Kurz-vor-knapp-Checkliste Frag dich nicht gegenseitig panisch ab. Was du jetzt nicht weißt, lernst du in fünf Minuten auch nicht mehr. Setz dich kurz für dich alleine hin. Kopfhörer auf, Musik an, die dich pusht, und komm in deinen Modus. Atme bewusst und komm bewusst zur Ruhe, statt dich verrückt zu machen. Mir persönlich hilft Musik enorm. Ich höre vor jedem Vortrag etwas, wo ich mitsingen und mittanzen kann, ganz unbeschwert nur für mich. Das gibt mir das Selbstbewusstsein, das ich brauche. Und für den Atem gibt es einen einfachen Trick, der dein Nervensystem messbar beruhigt: Beruhigt dein Nervensystem 4 Sekunden einatmen6 Sekunden ausatmen Geh dann mit diesem Gedanken rein: Ich habe mich vorbereitet, ich darf nervös sein, und ich rede einfach mit Menschen über das, was ich gelernt habe. Fazit Mach in den letzten Tagen nichts Neues mehr und geh die
Berichtsheft führen: Pflicht oder nicht?
Berichtsheft führen: Pflicht oder nicht? Was jeder Azubi wissen muss | AZUBeasy Das Berichtsheft. Kaum ein Thema nervt so viele Azubis und wird gleichzeitig so massiv unterschätzt. Vielleicht führst du es brav jede Woche – vielleicht aber auch nur alle paar Wochen, alle paar Monate, oder du gehörst zu den Leuten, die denken: „Das schaut doch eh niemand an, wofür mache ich das überhaupt?“ Genau diesen Satz höre ich ständig. Und deswegen klären wir heute ein für alle Mal: Ist das Berichtsheft überhaupt noch Pflicht? Und wenn ja – wie führst du es so, dass es dir am Ende sogar hilft, statt dir nur Stress zu machen? Lieber anschauen statt lesen? Hier gibt’s das Ganze als Video auf meinem YouTube-Kanal: Ist das Berichtsheft überhaupt Pflicht? Machen wir es direkt von Anfang an klipp und klar: Ja, das Berichtsheft ist Pflicht. Im Berufsbildungsgesetz (BBiG) steht nämlich, dass Auszubildende einen Ausbildungsnachweis führen müssen – und genau dieser Nachweis ist dein Berichtsheft. Das heißt: Es ist keine freiwillige Zusatzaufgabe, die du machen kannst, wenn dir gerade langweilig ist. Es ist fester Bestandteil deiner Ausbildung und gehört schlicht zu deinen Pflichten als Azubi. Berichtsheft auf einen Blick Pflicht?Ja RechtsgrundlageBBiG Auch „Ausbildungsnachweis“ genannt= dasselbe AusnahmenEinzelfälle Ja, es gibt einzelne Berufe oder besondere Regelungen, bei denen Ausnahmen gelten und du es nicht führen musst. Aber für 99 % aller Fälle gilt: Du brauchst es, du musst es führen, und es ist gesetzlich vorgeschrieben. Warum es über deine Prüfungszulassung entscheidet Und jetzt kommt der Punkt, den ganz viele Azubis vergessen: In der Regel wirst du ohne ordentlich geführtes Berichtsheft gar nicht erst zur Abschlussprüfung zugelassen. Viele winken ab: „Ja, aber das will doch niemand sehen, in der Prüfung interessiert das keinen.“ Und ja – am Ende des Tages ist es prüfungsrelevant, auch wenn es nur eine Formalität ist. Denn deine Ausbilder:innen sind genauso dazu verpflichtet, das Berichtsheft zu kontrollieren, wie du verpflichtet bist, es zu führen. Selbst wenn die IHK später sagt: „In der Prüfung interessiert mich das nicht, das will ich gar nicht sehen“ – du brauchst es trotzdem, um überhaupt zur Prüfung zugelassen zu werden. Zumindest formell. Theorie vs. Praxis: der gefährliche Gedanke In der Praxis sieht es oft anders aus, das ist klar. Manche Ausbilder unterschreiben das Heft schnell nebenbei, manche schauen kaum rein und kontrollieren es eigentlich gar nicht. Und viele Azubis schreiben mehrere Wochen oder Monate auf einmal nach – da nehme ich mich selbst übrigens gar nicht raus. Ich habe damals teilweise Monate nachgeschrieben und stundenlang gegrübelt, was ich vor fünf Monaten in einer bestimmten Woche eigentlich gemacht habe. Kann kein Mensch nachvollziehen. So sagt es das Gesetz Berichtsheft ist Pflicht Azubi führt, Betrieb kontrolliert Voraussetzung für die Prüfung So läuft es oft im Alltag „Schaut doch eh keiner an“ Wochenlang nachgeschrieben Kaum kontrolliert Und genau dadurch entsteht ein gefährlicher Gedanke: „Niemand kontrolliert es, also ist es wohl auch nicht wichtig.“ Aber nur weil etwas locker gehandhabt wird, heißt das noch lange nicht, dass es unwichtig oder nicht prüfungsrelevant ist. Stell dir vor, es kommt zu Problemen im Betrieb, bei der Prüfung wird genauer hingeschaut oder deine Ausbildungszeit wird überprüft. In all diesen Fällen ist dein Berichtsheft der offizielle Nachweis darüber, was du wann und wie gelernt hast. Spätestens dann willst du kein lückenhaftes Dokument in der Hand haben – denn am Ende des Tages dient es auch dir als Schutz. Warum dir das Berichtsheft selbst weiterhilft Jetzt mal ganz unabhängig von der Pflicht: Ein ordentlich geführtes Berichtsheft kann dir richtig helfen. Wenn du regelmäßig aufschreibst, was du gelernt hast, bekommst du: Einen Überblick über deine Entwicklung – du siehst schwarz auf weiß, wie weit du gekommen bist. Ein Gefühl für deine Schwerpunkte – du erkennst, welche Themen sich wiederholen und wo du noch unsicher bist. Eine perfekte Prüfungsvorbereitung – gerade vor der Abschlussprüfung ist dieser Rückblick wirklich Gold wert. Und ein Punkt, den viele unterschlagen: Es zeigt deine Haltung. Wenn du selbst solche scheinbar kleinen Pflichten ernst nimmst, merkt dein Betrieb, dass du deine Ausbildung anders angehst als andere. Und glaub mir – selbst wenn dein Ausbilder behauptet, es interessiere ihn nicht: Am Ende merkt er sich sehr genau, wer auch bei den vermeintlich unwichtigen Dingen Gas gibt und wem es egal ist. Übrigens: Es geht überhaupt nicht darum, irgendwas zu erfinden. Wenn du über Wochen dasselbe machst und nichts Neues lernst – genau, dann dokumentierst du eben genau das. Das wahre Problem heißt Aufschieben Das größte Problem ist meistens nicht das Schreiben an sich – sondern das Aufschieben. Wenn du einmal die Routine verlierst, ist es richtig schwer, wieder reinzukommen. Das ist wie beim Sport: Hast du die Routine einmal verloren, kommst du nur schwer wieder rein. Deswegen mein Tipp an dich: Mach es wirklich zu einer festen Routine und bleib jede Woche dran, ohne groß zu diskutieren. So machst du es zur Routine Gehen wir davon aus, du musst wöchentlich schreiben (manche müssen es sogar täglich). Die gute Nachricht: Du musst dir dafür keine drei Stunden blocken. Im Gegenteil – wenn du wirklich jede Woche dranbleibst, reichen 15 bis 30 Minuten völlig aus. Deine Wochen-Routine 1Fester Tag & feste Uhrzeit – z. B. jeden Freitag 15′15–30 Minuten reichen, ohne großes Drama ✎Kurz & sachlich notieren, was war Setz dich also zum Beispiel jeden Freitag für 15 bis 20 Minuten hin, immer zur gleichen Uhrzeit, ohne Diskussion. Behandle es einfach wie einen ganz normalen Teil deines Alltags. Und dann schreib auf, was passiert ist: Was gehört rein? Was du getan und gelernt hast Wo du unterwegs warst Ob du eine Schulung hattest Ob du in der Berufsschule warst Ob du krank warst Je detaillierter, desto besser – aber ganz ehrlich: Übertreib es nicht. Bleib klar, sachlich, kurz und prägnant. Lieber bleibst du regelmäßig dran, als dass du ewig an der perfekten Formulierung für den letzten Satz feilst. Am Ende zählt, dass das Ding vollständig ist. „Aber jemand hat gesagt, das ist keine Pflicht …“ Vielleicht sitzt du gerade da und denkst: „Lisa, bei uns war jemand von der