Dein erstes Berichtsheft schreiben

Inhaltsverzeichnis

Das Berichtsheft ist ein wichtiger Bestandteil von deiner Ausbildung. Du bist dir noch unsicher, wie oft du einen Bericht schreiben musst, was alles rein muss und wie viel Zeit du dafür effektiv investieren solltest? Hier erfährst du all das und noch mehr. Außerdem zeige ich dir eine Vorlage und ein konkretes Beispiel von einem Berichtsheft.

Berichtsheft – was ist das überhaupt?

Ein Berichtsheft ist eine Dokumentation deiner Leistungen während der Ausbildung. Du schreibt in regelmäßigen Abständen (normalerweise wöchentlich) ein Bericht über deine Tätigkeiten, die du im Betrieb oder auch in der Schule ausgeübt hast. Der Bericht wird dann vom Ausbilder kontrolliert und unterschrieben. Sollte der Ausbilder mit deiner Leistung nicht zufrieden sein, kann er dich dazu auffordern, das Ganze nochmal neu zu machen. I.d.R. legst du dem Ausbilder deine Berichtshefte nicht wöchentlich, sondern monatlich oder bei einem Abteilungswechsel vor.

Es ist laut dem Berufsbildungsgesetz sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass du ein Berichtsheft führen musst. Andernfalls kann es sein, dass du nicht zur Prüfung zugelassen wird.

Das Berichtsheft wird von dir in der Zwischenprüfung und in der Abschlussprüfung verlangt. Du musst es dem Prüfer vorlegen. Er kann dann (sollte es notwendig sein) aus dem Berichtsheft was raussuchen und dich z.B. abfragen. Er kann die Aufmachung und das Aussehen bzw. die Dokumentation des Berichtshefts im Zweifel auch in die Bewertung bzw. Benotung von dir mit einfließen lassen – falls nötig. Keine Panik: normalerweise wird das Berichtsheft einmal kurz überflogen und dann ist die Sache auch erledigt. Nichts desto trotz ist es etwas, wo du nicht drum rumkommst.

Ein Berichtsheft zu führen ist deine Pflicht als Azubi. Ohne Berichtsheft wirst du nicht zur Zwischenprüfung und nicht zur Abschlussprüfung zugelassen.


Wie man ein Berichtsheft schreibt

Du hast verschiedene Möglichkeiten dein Berichtsheft zu schreiben. Ich zeige dir nun im folgenden verschiedene Tipps, wie du dein Berichtsheft führen kannst. Bitte kläre unbedingt mit deinem Azubibetreuer ab, ob das für ihn bzw. den Betrieb so in Ordnung ist, oder ob sie auf andere Dinge mehr Wert legen. Du solltest dich stets an die Vorgaben des Betriebes richten.

Welcher Inhalt muss rein?

Wie genau so ein Bericht dann schlussendlich aussieht, siehst du am Ende im Muster. Vorerst möchte ich dir aber mal aufzeigen, welche Inhalte überhaupt rein müssen.

Bevor die einzelnen Berichte starten gibt es noch ein Titelblatt. Das ist eine Übersicht über alle Stationen, die du in der Ausbildung durchläufst. Es ist quasi eine Übersichtsseite von allen Bereichen (Bereich, Datum von … bis …). Danach folgen dann die einzelnen Berichte.

Die wichtigsten Inhalte pro Bericht sind:

  • Abteilung/Sparte
  • Aktuelles Datum
  • Nummer des Berichts (müssen nacheinander nummeriert sein)
  • Ggf. Aktuelles Lehrjahr
  • Zeitraum für den Bericht (von … bis …)
  • Ausgeführte Tätigkeiten (Stichpunkte)
  • Themen von Unterweisungen/Lehrgesprächen/betrieblichen Unterricht, außerbetrieblichen Schulungsveranstaltungen –> hier suchst du dir dann einen der ausgeführten Tätigkeiten raus und beschreibst diese im Detail
  • Berufsschule (Stichpunkte, wenn du in der Schule warst)
  • Unterschrift von dir (Azubi – muss auf jedem Bericht)
  • Unterschrift von Erziehungsberichtigten (wenn du unter 18 Jahre alt bist – muss auf jedem Bericht)
  • ggf. Unterschrift vom Abteilungsleiter
  • Unterschrift vom Ausbilder (muss auf jedem Bericht)

Wie viel Inhalt pro Bericht?

Der Bericht ist i.d.R. in 3 verschiedene Bereiche aufgeteilt:

  1. Betriebliche Aktivitäten in Stichpunkten
  2. Detaillierte Ausarbeitung eines Punktes
  3. Schulische Inhalte

In dem 1. Bereich genügt es, wenn du pro Woche 5-8 Punkte in Stichpunkten auflistest von Dingen, die du getan hast. Du schreibst einfach in kurzen Worten, was das genau war. Wenn ich das auf meine Ausbildung beziehe, war das z.B. „Tische im Restaurant eindecken“ oder „Getränkekühlschrank auffüllen“.

Im 2. Bereich musst du etwas weiter ausholen. Hier beschreibst du einen Punkt aus dem 1. Bereich im Detail. Du beschreibst in wenigen Sätzen also z.B. wie du die Tische im Restaurant eingedeckt hast. Dabei kannst du auf das Besteck, die Servietten, die Anzahl und Auswahl an Gläser, die Dekoration usw. eingehen. Du kannst dich dabei entweder kurz und knapp halten, d.h. wenn das Kästchen voll ist, dann ist es voll. Oder wenn du etwas weiter ausholen musst/willst, kannst du auch über den 2. Bereich in den 3. Bereich hinaus schreiben. Wie das bei mir z.B. teilweise aussieht, findest du unten in den Beispielen aufgeführt. Ehrlicherweise muss man hierzu aber auch sagen, dass es auch auf den Ausbilder ankommt, wie ausführlich er die Berichte möchte. Ich konnte hier z.B. einen klaren Unterschied sehen nach meinem Betriebswechsel in der Ausbildung. Im 2. Betrieb wurde viel mehr gefordert als im 1. Betrieb.

In dem 3. Bereich widmen wir uns dann der Schule. D.h. dieser Bereich ist wirklich nur relevant, wenn du in dem Zeitraum Schule hattest. Bei Blockunterricht ist das toll, da kannst du über Wochen hinweg einfach einen Strich machen und gut ist 🙂 Solltest du allerdings wöchentlichen Unterricht haben, steht hier also i.d.R. auch immer was drin. Es genügt, wenn du kurz das Fach hinschreibst und in wenigen Worten, was dort gelernt wurde. Ein Beispiel dazu findest du dann wieder unten.

Wie oft ein neuer Bericht?

Das unterscheidet sich mal wieder von Betrieb zu Betrieb – frag hier am besten auch einfach deinen Azubibetreuer. Im Normalfall sind die Berichte wöchentlich, so war es bei mir in der Ausbildung damals auch.

Wie den Bericht schreiben – digital oder analog?

Während ich meine Ausbildung gemacht habe, hatte ich auch einige Klassenkameraden, die die Berichte „digital“ geschrieben haben. Sie haben dann einfach alles am PC runter geschrieben und ausgedruckt. Ich selbst habe mich für das analoge entschieden und deshalb alles von Hand gemacht. Die Ausdrucke bzw. leeren Vorlagen für das Berichtsheft muss dir dein Betrieb zur Verfügung stellen!

Seit 2017 ist es allerdings möglich, dass Berichtsheft auch zu 100% digital zu führen und abzugeben. Dass heißt du druckst dann gar nichts mehr aus, sondern führst alles rein digital. Bitte spreche hierzu unbedingt mit deinem Azubibetreuer, dass es keine Probleme gibt – vor allem in der Prüfung! Denn nur weil du dein Berichtsheft digital führen willst, heißt das noch lange nicht, dass die Prüfer es vor Ort dann auch digital einsehen und absegnen können. Dazu bedarf es nämlich die entsprechende Soft- und Hardware.

Außerdem solltest du dich unbedingt mit deinem Azubibetreuer austauschen, wie er das digitale Berichtsheft unterzeichnen wird. Sollte in der Software, die du nutzt, nur eine digitale Unterschrift möglich sein und dein Ausbilder bzw. Ausbildungsbetrieb hat keine digitale Unterschriften, ist es z.B. auch möglich, dass via E-Mail bzw. Bescheinigung dokumentiert wird, dass das Berichtsheft abgezeichnet wurde. Halte dazu aber unbedingt Rücksprache – das kann sonst echt nach hinten los gehen!

Ich habe dazu auch einen Blogbeitrag über ein Digitales Berichtsheft geschrieben und über eine Azubi-App berichtet, die ich mir mal genauer angeschaut habe.

Wichtig: wenn dein Betrieb dir die Möglichkeit gibt dein Berichtsheft digital zu schreiben, muss er dir genau so die Software und die Hardware (d.h. auch Laptop/Tablet/Smartphone) zur Verfügung stellen um das Berichtsheft ordentlich schreiben zu können. Analog muss er dir ja auch die Blanco Blätter zur Verfügung stellen. Wenn du dein privates Handy dafür nutzt, wird dein Smartphone durch berufliche Nutzung zum Arbeitsmittel. Damit haftet der Arbeitgeber automatisch bei Schäden oder Rechtsverstößen. Deshalb kann es sein, dass du als Azubi dafür eine Haftungsausschlusserklärung unterschreiben musst.

Würde sich für mich die Möglichkeit heute ergeben, würde ich sie definitiv nutzen!

Wann Berichtsheft schreiben?

Du kannst dein Berichtsheft zu Hause schreiben. Allerdings hast du auch die Möglichkeit dein Berichtsheft während der Arbeitszeit zu schreiben. Dein Ausbildungsbetrieb muss dir die Zeit während der Arbeitszeit dafür einräumen. In der Praxis klappt das, aus Erfahrung, mal besser mal schlechter. Aber prinzipiell hast du sogar einen rechtlichen Anspruch darauf, die Arbeitszeit zu nutzen.

Was schreibt man bei Krankheit/Urlaub?

Solltest du krank sein oder auch einfach mal Urlaub haben, dann kannst du das genau so in dein Berichtsheft schreiben. Du darfst die Seiten dann nicht einfach auslassen bzw. weglassen, sondern schreibst dafür einfach groß „Krank“ oder „Urlaub“ rein, damit ist die Woche erledigt. Wie das bei mir damals aussah siehst du unten im Beispiel.

Was schreibt man bei gleichbleibender Tätigkeit?

Genau das. Schreibe einfach das, was du tagtäglich in deiner Ausbildung machst und erfinde nichts dazu. Und wenn das jede Woche das gleiche ist, dann würde ich es an deiner Stelle über einen gewissen Zeitraum von ein paar wenigen Wochen genau so rein schreiben. Dann würde ich zum Ausbilder gehen und ihm das entsprechend vorlegen und zeigen, dass du seit mehreren Wochen immer nur das gleiche machst und nichts Neues lernst.

Es ist dein Recht als Azubi und die Pflicht deines Ausbilders dir entsprechende Inhalte während der Ausbildung zu vermitteln. Solltest du also über mehrere Wochen oder sogar Monate immer nur das gleiche machen, dann ist es definitiv Zeit darüber zu sprechen!

Solltest du bei deinem Azubibetreuer kein Anklang finden, spreche das Thema bei deinem Lehrer an. Die Berufsschulen haben auch nochmals einen anderen Einfluss auf die Ausbildungsbetriebe.

Solltest du über mehrere Wochen oder Monate hinweg immer nur das gleiche machen, dann ist es Zeit für ein Gespräch mit deinem Azubibetreuer oder Lehrer. Es ist dein Recht gewisse Inhalte in der Ausbildung vermittelt zu bekommen – stehe für deine Rechte ein!


Dauer der Aufbewahrung

Es besteht keine Pflicht zur Aufbewahrung deines Berichtsheftes. Wenn du es zur Zwischen- und Abschlussprüfung ordnungsgemäß vorgelegt hast und deine Ausbildung ist zu Ende, dann kannst du es im Prinzip entsorgen. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich soeben mein Berichtsheft mal wieder rausgesucht – eben für diesen Beitrag – und ich bin echt oft am schmunzeln gewesen, wie ich manche Sachen geschrieben habe 🙂  Aber wenn du fertig bist und du bist dir absolut sicher, dass du es nicht mehr für dich brauchst (um vielleicht doch mal nochmal was nachzuschlagen) und du auch sicher nicht mehr rein schauen willst, dann weg damit.


Berichtsheft kaufen

Hast du schon mal überlegt einfach mal bei Google nach einem fix und fertigen Berichtsheft zu suchen? Du Versuchung ist groß, ich weiß. Aber ich rate dir davon unbedingt ab!

Abgesehen davon, dass es deine Pflicht als Azubi ist das Berichtsheft zu führen, würde dir ein fertiges Berichtsheft von jemand anders gar nichts bringen. Dein Ausbilder muss dein Berichtsheft nämlich kontrollieren und abzeichnen, dass ist seine Pflicht. Und spätestens da wird es ja auffallen, da die Berichte demnach schon unterzeichnet sind. Sollte dein Ausbilder seiner Pflicht nicht nachkommen und ihm ist dein Berichtsheft egal, wird es spätestens bei der Prüfung auffallen.

Hinweis: Ich würde in Erwägung ziehen den Betrieb zu wechseln, sollte sich dein Ausbilder nicht viel aus dir und deiner Ausbildung machen…

Bei der Abschlussprüfung kann es sein, dass dich der Prüfer bzw. die Prüferin nach Inhalten aus deinem Berichtsheft fragt und dir dazu Fragen stellt, was du da genau getan hast bei Bericht XY. Spätestens da wird es auffallen.

Fertige Berichtshefte von jemand anders zu kaufen ist nicht nur illegal, sondern es ist auch Urkundenfälschung, da du dich zu diesem Zeitpunkt für jemand anderen ausgibst.
Finger davon lassen!


So viel Zeit & Mühe solltest du investieren

Wenn man diszipliniert ist, reichen 5-10 Minuten in der Woche um ein ordentliches Berichtsheft zu schreiben. Aus eigener Erfahrung kann ich dir aber sagen, dass das gar nicht so einfach ist jede Woche wirklich dran zu bleiben. Da ich auch in verschiedenen Schichten an verschiedenen Tagen (Montag – Sonntag) gearbeitet habe, konnte ich mir auch nicht den Sonntag z.B. vornehmen um da mein Berichtsheft zu schreiben.

Der Betrieb muss dir die Zeit dafür einräumen – also kannst du diese Zeit auch ruhig einfordern. Dann setzt du dich bei euch in den Pausenraum und schreibst wöchentlich oder monatlich dein Berichtsheft.

Generell solltest du aber nicht zu viel Zeit rein investieren, da es im Endeffekt 1x geprüft wird vom Ausbilder, dann in der Prüfung und das war´s. In der Regel fließt es nicht mal in irgend eine Benotung mit ein. Ich habe es teilweise echt ein bisschen übertrieben, wenn ich mein Berichtsheft hier jetzt vor mir liegen habe – hahaha. Aber mach dir selbst ein Bild in den Vorlagen und Beispielen.


Vorlage/Beispiel für ein Berichtsheft

Ich füge dir jetzt hier mal eine allgemeine, leere Vorlage an, wie ein Berichtsheft in der Regel aussieht (dies kann im Detail natürlich von Betrieb zu Betrieb anders sein):

Berichtsheft Muster Vorlage
Berichtsheft Muster Vorlage – Quelle: www.bueroshop24.de

Nachfolgend findest du Fotos von meinem Berichtsheft von meiner Ausbildung. Ich füge dir ein Bericht an, als ich krank war, als ich Urlaub hatte, als ich in der Berufsschule war und ein sehr ausführlicher und detaillierter Bericht. Ehrlicherweise ist es mir immer eher schwer gefallen mich kurz und knapp in dem kleinen Fenster zu halten, weshalb ich oft weit darüber hinaus geschrieben habe und kurze Berichte eher selten bei mir waren. Aber diese Fotos, wie ich es hier jetzt hatte, sind echt absolut kein Muss – einfach nur nice to have. Dein Ausbilder wird das aber hoffentlich zu schätzen wissen 🙂


Fazit

Wie du merkst, ist das Berichtsheft gar nicht so schlimm und aufwändig, wie viele immer sagen. Wichtig ist, dass du mit deinem Azubibetreuer bzw. deiner Azubibetreuerin abklärst, wie du das Berichtsheft zu führen hast. Solltest du es digital führen ist ganz wichtig, dass du abklärst, ob es in der Prüfung auch entsprechend eingesehen werden kann. Ansonsten mach dir da nicht zu viel Gedanken und Sorgen. Schreibe deine Berichte regelmäßig, dass du nicht am Ende am hinterher rennen bist. Schreibe ab und zu auch gerne ausführlichere Berichte, das kommt gut beim Ausbilder und gut beim Prüfer an. Bei jedem Bericht ist das aber absolut kein Muss!

Wie kommst du mit deinem Berichtsheft zurecht? Schreib es gern in die Kommentare 🙂

In diesem Sinne, bis ganz bald


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